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Die Mensch-Tier-Beziehung –
Geschichte einer langen Freundschaft

Als die Zauberin Kirke Odysseus’ Gefährten Gryllos in ein Schwein verwandelte, versuchte Odysseus seinen Freund vergeblich zur Rückkehr ins menschliche Dasein zu bewegen. Gryllos wollte ein Schwein bleiben, weil Tiere natürlicher, zufriedener und tugendhafter lebten als Menschen. Diese Geschichte erzählt Plutarch, bekannter Tierfreund der Antike und früher Verfechter der heutigen Biophilie-Hypothese - die angenomme Verwandschaft alles Lebendigen.

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In der Menschheitsgeschichte besteht von Anfang eine sehr enge Beziehung zwischen Menschen und Tieren. Sie waren Nahrung, Bedrohung, Jagdhelfer, Arbeitstiere, Machtsymbole und sehr früh bereits enge Gefährten.

Frühzeit

Schon in der Altsteinzeit sollen Hunde den Menschen begleitet haben und in den Gräbern vieler Frühkulturen fand man Spuren von Tieren. Die indogermanischen Völker sahen im Pferd den Begleiter der Seele nach dem Tod eines Menschen. Tiere fanden Eingang in Religion und Mythen, wurden hoch geachtet und in Höhlengemälden und Plastiken verewigt. Besonders eng wurde die Beziehung zwischen Tier und Mensch, als der Homo sapiens vor 10 000 Jahren sesshaft wurde: Er begann Wildtiere als Arbeits-, Nutz- und Haustiere zu zähmen. Erst lebten Hunde, dann Ziegen, Schafe, Rinder und Schweine beim Menschen, später Pferde und Hühner und viele andere Tiere. Menschen an verschiedenen Orten der Erde entdeckten die Tierhaltung unabhängig voneinander. Vorgänger der Inkas im heutigen Peru domestizierten Lamas, in Indien wurden bereits vor 2500 Jahren Elefanten gezähmt und die alten Ägypter richteten die nubische Falbkatze für den Mäusefang ab.

Antike

Die Freundschaft zwischen Tieren und Menschen fand im Lauf der Geschichte immer wieder prominente Fürsprecher. Bei Pythagoras, Empedokles und Platon taucht der Gedanke der Seelenwanderung auf. Tier und Mensch seien so eng verwandt, dass sie sogar ein Wechsel zwischen den beiden Seinsarten für möglich hielten. Plutarch, Autor der Odysseus-Gryllos-Geschichte, mahnte seine Mitmenschen aus dieser Überlegung zu einer vegetarischen Lebensweise.

Mittelalter

Im Mittelalter ranken sich zahlreiche Legenden um den Heiligen Franz von Assisi und seine Tierliebe. So soll er nicht nur den Vögeln gepredigt, sondern auch einen reißenden Wolf gezähmt haben, der die Stadt Gubbio bedrohte und danach bis zu seinem Tod von den Bewohnern Gubbios geliebt und gefüttert wurde. Berühmt ist auch die Liebe des Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen zur Falknerei. Er widmete sich der Jagd-Abrichtung der Vögel wie einer geistigen Kunst und ging nie ohne eine Falken auf Reisen.

Renaissance

Als Vater der modernen Tierpsychologie gilt der französische Humanist, Schriftsteller und Politiker der Renaissance, Michel de Montaigne. Seine Gedanken über die soziale Beziehung zwischen Mensch und Tier, über die Kommunikation, die ohne sprachliche Verständigung auskommt, sind heute noch aktuell. Ganz im Sinne des Biophilie-Gedankens rät er Menschen, die sich dem Tier überlegen fühlen, sich „an den großen Haufen der übrigen lebenden Geschöpfe anzuschließen“.

18. und 19. Jahrhundert

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden die ersten Tierschutzbewegungen, die sich weiter verbreiteten. Der Philosoph Jean Jacques Rousseau betonte besonders die Gemeinsamkeiten im Fühlen und in der Leidensfähigkeit von Mensch und Tier, Kant sprach sich explizit gegen Tierquälerei aus, weil es den Umgang der Menschen untereinander negativ beeinflussen könnte und Arthur Schopenhauer, überzeugter Vegetarier wie auch Goethe, Alexander von Humboldt, Nietzsche und Wagner, brachte die tierfreundliche Sichtweisen des Hinduismus und Buddhismus nach Europa.

20. und 21. Jahrhundert

Die Wissenschaften wie die Evolutionsforschung, die vergleichende Verhaltensforschung und die Genwissenschaft haben inzwischen die Annahme vom großen Zusammenhang alles Lebendigen bestätigt, die psychologische Beziehung zwischen Menschen und Tieren ist aber erst seit den 70er Jahren ein eigenständiger Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Impulse kamen von den Veröffentlichungen Konrad Lorenz’ wie „So kam der Mensch auf den Hund“. Pulitzerpreisträger und Harvard Professor Dr. Edward O. Wilson postuliert 1984 mit seiner berühmt gewordenen Biophilie-Hypothese u.a., dass sich Menschen von anderen Lebewesen natürlicherweise angezogen fühlen und dass dieser Kontakt mit der Natur der Gesundheit zugute kommt.

Die Haltung von Heimtieren hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. In einer zunehmend technisierten und sozial isolierten Welt bringen Tiere den Menschen heute zurück zur Natur, sie ersetzen ihm Kinder und Partner und werden oft geliebt wie richtige Menschen. Diese besondere Qualität der Beziehung und Bindung zwischen Tier und Mensch ist die Grundlage für die Mensch-und-Tier-Therapie.

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