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Pferde als Therapietiere

Die heilsame Wirkung des Pferdes auf die seelische, geistige und körperliche Gesundheit wurde bereits in der Antike von Hippokrates und Xenophon erkannt und gepriesen. Bekannt ist auch das Traktat des großen Enzyklopädisten Denis Diderot 1751 "Über das Reiten und seine Bedeutung, um die Gesundheit zu erhalten und sie von Neuem zu erwerben".

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Ein vielseitiger Therapeut: Medizin – Psychologie - Sport

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckten Ärzte die Möglichkeit, Pferde im Rahmen krankengymnastischer Behandlungen einzusetzen. Durch das rhythmische Bewegtwerden auf dem Pferderücken ergaben sich ganz neue Möglichkeiten zur Behandlung neurophysiologischer Störungen. Diese medizinisch orientierte, sogenannte Hippotherapie (griechisch: „hippos“ das Pferd, „therapeia“ die Behandlung), die auf der Körperebene ansetzt, ist heute nur einer der drei Bereiche des Therapeutischen Reitens. Parallel dazu entstand in den 60er Jahren das heilpädagogische Reiten zur Förderung der geistigen und sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Dazu gab es schon immer behinderte Sportler, die das Pferd als Partner eingesetzt haben. Jeder dieser drei Bereiche spricht spezifische Probleme an, die Grenzen sind aber fließend. In jedem Gebiet ist der Kontakt zum Pferd und zum Therapeuten stark ausgeprägt.

Heilpädagogisches Reiten - Pferde helfen heilen

Der Schwerpunkt der Mensch-und-Tier-Therapie von M.U.T. liegt auf dem heilpädagogischen Reiten, das zunehmend in der Pädagogik, Psychologie und Psychiatrie Eingang findet. Die individuelle und soziale Entwicklung von verhaltensauffälligen, lern- oder geistig behinderten sowie psychisch kranken Menschen wird durch den Umgang mit speziell ausgebildeten Pferden günstig beeinflusst. Die besonderen Eigenschaften des Pferdes machen es dabei zum idealen Partner in der Therapie von traumatisierten Menschen mit Behinderungen, auch mit schwersten Behinderungen. Der Charakter des Pferdes ist vom Vertrauen zum Menschen sowie durch Lern- und Leistungsbereitschaft geprägt. Das Ziel der Therapie ist es, Angst und Misstrauen bei den Betreuten abzubauen und diese Menschen zur Erfahrung von Vertrauen und Selbstwertgefühl zu führen.

Was passiert in der Therapie?

Die Beobachtung

Das Pferd spricht alle Sinne an. Schon die Beobachtung eines freilaufenden Pferdes fasziniert viele Menschen und mobilisiert durch seine Größe und Kraft aber auch (gesunde) Ängste, die im folgenden therapeutischen Prozess als bewältigbar erlebt werden. Gleichzeitig ist das Pferd ein Projektionsfeld für Phantasien und Wünsche, ein archetypisches Symbol, das für Mutter, Vater, Kind, aber auch für Freiheit, Mut und Lebendigkeit stehen kann.

Die Pflege

Die Reinigung des Stalles, das Striegeln und Bürsten des Felles, das Säubern der Hufe, das Satteln und Zäumen der Pferde fördern sowohl die Kontaktaufnahme zum Tier, als auch die Fähigkeit zur Bewältigung komplexer Arbeitsgänge. Pferde schulen dabei gleichzeitig die Wahrnehmung durch ihre natürlichen Reaktionen und individuellen Eigenheiten als lebendige Wesen. Nicht zuletzt schenken Pferde Freude am mutigen Handeln schon bei ihrer Pflege, weil durch die Annäherung und den Körperkontakt mit größeren Tieren Berührungsängste überwunden werden.

Geführt- und Longiert-Werden, Reiten

Das Sitzen auf einem ungesattelten, nur mit einem Voltigiergurt ausgerüsteten Pferd ermöglicht das intensive Erspüren der Bewegungen des Pferderückens. Das passive Getragen- und Geschaukelwerden von einem lebendigen Wesen in direktem, engen Körperkontakt, das Gefühl sich in der Bewegung eins zu fühlen, machen die eigene Körperlichkeit bewusst und vermitteln Aufgehoben-Sein, Geborgenheit, Nähe, Wärme, das sprichwörtlich gewordenen Glück auf dem Rücken der Pferde. Das Reiten am Führzügel oder selbständiges Reiten, bei dem sich das Pferd dem Reiter unterordnet, stärken außerdem das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Gut ausgebildete Pferde erleichtern diesen therapeutischen Entwicklungsschritt, der im Sinne einer Identitätsbildung und Ich-Stärkung verstanden werden kann.

Rhythmisches Bewegtwerden im Schritt

Das Pferd bewegt sich rhythmisch in drei Gangarten. Beim Reiten überträgt der Pferdrücken dreidimensionale Schwingungen auf den Menschen, nämlich die Bewegungen auf und ab, vor und zurück und links und rechts. Durch die erhöhten Anforderungen an den Halteapparat des Körpers werden Balance, Koordination und Raumorientierung gefördert und die Muskeln im Sinne von Dehnung, Lockerung und Kräftigung geschult. Die körperstärkenden Effekte dieser klassische Anwendung der medizinisch orientierten Hippotherapie können auch sinnvoll in den heilpädagogischen Behandlungsplan integriert werden.

Die Ausbildung des Pferdes

Die Ausbildung des Pferdes ist von entscheidender Bedeutung – es muss perfekt mit dem Therapeuten zusammenarbeiten, sollte auf ungewöhnte Geräusche gelassen reagieren und hundertprozentig auf Hilfen ansprechen. Das Therapiepferd muss besonders bei Menschen mit schweren Behinderungen auf die reiterlichen Einwirkungen reagieren können, die in diesem Fall sehr unkoordiniert, sehr stark oder sehr schwach ausfallen können. Außerdem muss es die jeweiligen Gangarten taktrein ausführen. Parallel zur Thrapiearbeit sollte das Pferd immer auch von einem ausgebildeten Reiter geritten werden.Aufgrund der hohen Anforderungen ist nicht jedes Pferd für das Therapeutische Reiten geeignet. Psychische Belastbarkeit, einwandfreier Charakter und ein ausgeglichenes Temperament sind unabdingbare Voraussetzungen. Wann welches Pferd für die Therapie einsetzbar ist, entscheidet der Ausbilder jeweils individuell.

Die Reittherapeuten

Pädagogen, Psychologen und Psychotherapeuten können über das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten eine Fortbildung für das Heilpädagogische Reiten machen. Voraussetzungen sind sehr gute, geprüfte Kenntnisse im Reiten und in der Pferdehaltung.

 

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